10.06.2026
Walpurgiskirche - Einweihungsfest nach Brand
Inklusive klangvoller Wiederentdeckung
Großengottern. Kirchenkreis Mühlhausen – Nach mehr als zwei Jahren des Wartens, Planens und handwerklichen Feinschliffs war es endlich so weit: Die traditionsreiche Walpurgiskirche in Großengottern öffnete am 14. Juni, wieder für die Öffentlichkeit. Nach einem Schwelbrand am 31. Januar 2024 musste das Gotteshaus komplett geschlossen und einer umfassenden Sanierung unterzogen werden. Nun erstrahlt die Kirche in neuem Glanz. Die Kirchengemeinde lud alle Medienvertreter, Gemeindemitglieder sowie interessierte Gäste von nah und fern herzlich dazu ein, diesen historischen Tag der Wiedereinweihung mit einem feierlichen und abwechslungsreichen Festprogramm gebührend zu begehen.
Das Festprogramm im Überblick
Das Einweihungsfest verband feierliche Liturgie, hochkarätige Kirchenmusik und ein buntes Beisammensein für die ganze Familie:
- Festlicher Eröffnungsgottesdienst
Den Auftakt bildete ein feierlicher Gottesdienst in der sanierten Kirche. Neben Pfarrer Matthias Cyrus wurde der Gottesdienst von zahlreichen engagierten Menschen aus der Gemeinde aktiv mitgestaltet. Auch musikalisch war dieser Moment hochkarätig besetzt: Es musizierten der Kammerchor Mühlhausen, der Projektkinderchor aus Großengottern sowie Annette Nötzold (Querflöte) und Kirchenmusikdirektor (KMD) Oliver Stechbart an der Orgel. - Im Anschluss: Begegnung und Familienprogramm im Pfarrhof
Nach dem Gottesdienst verlagerte sich das Fest in den Pfarrhof. Bei Kaffee, Kuchen und anregenden Gesprächen bot der Nachmittag Raum für Gemeinschaft. Auch an die jüngsten Besucher war gedacht: Eine Hüpfburg lud zum Austoben ein und ein kleines Puppentheaterstück sorgte für strahlende Kinderaugen. - Musikalische Abschlussandacht mit historischem Höhepunkt
Zum krönenden Abschluss kehrte die Festgesellschaft in die Kirche zurück. Unter dem Motto „Musikalisches Feuerwerk mit Pauken und Trompeten“ erklang eine besondere Andacht. Es musizierte das renommierte „Thüringer Trompetenensemble“ mit Steffen Naumann (Jena), Michael Heinrich (Weimar) und Torsten Müller (Mühlhausen), begleitet von KMD Oliver Stechbart an der Orgel. Ein ganz besonderer Moment wartete auf die Zuhörer, als der Weimarer Schlagzeuger Ingo Wernsdorf sein Können an den historischen Kesselpauken der Kirche präsentierte.
Die Sanierung: Handwerkskunst und neue Pracht
Hinter der Kirchengemeinde liegt eine intensive Zeit der Sanierung. Der Schwelbrand hatte im gesamten Innenraum seine Spuren hinterlassen. In aufwändiger Arbeit mussten sämtliche Oberflächen zunächst vom Ruß befreit und anschließend malerisch sowie künstlerisch-restauratorisch neu gefasst werden. Die wertvollen Buntglasfenster im Altarraum wurden für eine fachgerechte Reinigung und Restaurierung komplett ausgebaut.
Auch technisch und funktional hat sich viel getan: Die Pfeifen des Orgelwerks wurden gereinigt, während der historische Orgelprospekt nach einer aufwändigen Restaurierung ein völlig neues Gesicht erhalten hat. Zudem freut sich die Gemeinde über einen neuen Fußboden, eine moderne Beschallungsanlage sowie beheizbare Sitzkissen, welche die alte Bankheizung ablösen und künftig für zeitgemäßen Komfort sorgen. Im Zuge der Generalsanierung wurden zudem sinnvolle Zusatzarbeiten durchgeführt: Die Fenster der Dachgaupen wurden erneuert sowie das Erdgeschoss und die Turmkapelle frisch verputzt und gestrichen.
Einige wenige Arbeiten dauern derweil noch an: Der Jakobusaltar und zwei Kruzifixe werden aktuell noch von der Restauratorin bearbeitet, da die Priorität zunächst auf dem Orgelprospekt lag. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt an ihren Stammplatz zurückkehren – die Kirche ist jedoch ab sofort wieder uneingeschränkt nutzbar.
Eine Sensation: Die Wiederentdeckung der historischen Kesselpauken (1. Hälfte 19. Jh.)
Für einen emotionalen und wahrhaft historischen Moment am Einweihungstag sorgt die Rückkehr der kircheneigenen Kesselpauken. Einst spielten sie eine tragende Rolle in der Musiktradition von St. Walpurgis, als ein sogenannter „Adjuvantenchor“ die Gottesdienste festlich mit Instrumentalbegleitung ausschmückte. Auch damals wurde hier sicherlich bereits zu festlichen Anlässen „mit Pauken und Trompeten“ musiziert. Nach vielen Jahrzehnten des Schweigens – vermutlich mangels Musikern – gerieten die Pauken in Vergessenheit, wurden von der Musikempore demontiert und lagerten schließlich unbemerkt im Depot der politischen Gemeinde.
Im Zuge der aktuellen Sanierungsarbeiten wurden die Instrumente nun wiederentdeckt und von einem Instrumentenrestaurator aufwändig restauriert. Sie sind wieder voll spielbar. In der musikalischen Abschlussandacht werden die Kesselpauken nach Jahrzehnten der Stille erstmals wieder offiziell eingeweiht und erklingen – ein Meilenstein für die Kirchengemeinde und ganz Großengottern.