28.09.2026
Stolpersteinverlegung in Mühlhausen - ein Rückblick
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- Predigt 01.10.2026 Superintendent Christian Beuchel in Grabe - (02.10.2026 / 64 KB)
- Ansprache von Pfarrer Marcus Ebert anlässlich der Verlegung des Stolpersteins für Pfarrer Friedrich Zippel - (02.10.2026 / 233 KB)
Erstmals in einem Ortsteil Mühlhausens
Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns
Am 1. Oktober 2026 wurde in Grabe der erste Stolperstein in einem Ortsteil Mühlhausens verlegt. Er erinnert an Pfarrer Friedrich Zippel, der 1941 denunziert, verschleppt, deportiert und vier Jahre im Konzentrationslager Dachau eingesperrt wurde – weil er sich der Bekennenden Kirche angeschlossen und damit mutig Widerstand geleistet hatte. Friedrich Zippel überlebte und kehrte im April 1945 in seine Pfarrstelle zurück. Er war der letzte Pfarrer des Ortes, der in Grabe wohnte.

Die Biografie Friedrich Zippels wurde mit großem ehrenamtlichem Engagement recherchiert. Pfarrer Marcus Ebert hob besonders die Arbeit von Christiane Kretschmer hervor, mit der er im Vorstand des Christlich‑jüdischen Arbeitskreises zusammenarbeitet. Das Stadtarchiv und Frau Kannengießer unterstützten die Aufarbeitung maßgeblich.

Initiator der Verlegung war Friedemann Kannengießer, Kirchenmusiker in Mühlhausen und Enkel des Pfarrers: „Zwei Jahre lang habe ich diesen Tag vorbereitet“, sagte er sichtlich bewegt. Viele persönliche Erinnerungen verbinden ihn mit dem Pfarrhaus und seinem Großvater – darunter das einprägsame Bild des Pfarrers, wie er im Talar durch strömenden Regen zur Kirche eilte.

In seiner Ansprache erinnerte Pfarrer Ebert daran, wie die Verfolgung Zippels in seiner eigenen Umgebung begann: „Zur Geschichte dieses Pfarrers gehört auch die Denunziation aus seinem Umfeld, das macht sie so bedrückend. Verfolgung beginnt nicht mit einer Verhaftung. Sondern schon dort, wo Verdächtigungen ausgesprochen werden, wo Mitgefühl verschwindet und Menschen bereit sind, andere zu opfern.“

Die Beteiligung an der Verlegung war groß: Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Stadtverwaltung, Schule und Bürgerschaft nahmen teil, darunter Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns, Superintendent Christian Beuchel, Schulpfarrerin Claudia Faust mit einer Schülergruppe sowie viele weitere Gäste und Wegbegleiter des christlich-jüdischen Dialogs.
Bei der anschließenden Andacht in St. Georg – jener Kirche, in der Zippel selbst viele Jahre predigte – sprach Superintendent Christian Beuchel eindrücklich über die Frage: Wo bist du Gott? Seine Antwort: „Die Antwort Gottes auf Leid ist seine Solidarität. Er ist im tiefsten Leid bei uns. Diese Erfahrung trägt. Bleiben wir auf der Suche nach Gott. Wir werden ihn finden. Er wird uns Kraft und Mut in allem Leid und im Einsatz gegen die Menschenverachtung schenken. Aufzustehen, wo immer der Mensch, das Ebenbild Gottes, mit Füßen getreten wird.“ Seine Predigt finden Sie im Downloadbereich.

Im Nachgang sagte er, für ihn seien Stolpersteine ein starkes Zeichen: „Sie machen sichtbar, dass Menschen hier Unrecht und Leid erfahren haben. Die Namen laden dazu ein, sich mit den einzelnen Personen zu beschäftigen. Dann wird das Unrecht nicht mehr abstrakt, sondern verbunden mit konkreten Lebensgeschichten.“
Pfarrer Marcus Ebert betonte bei der Verlegung: „Und möge dieser Stolperstein hier in Grabe uns auch daran erinnern, heute hinzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt, verleumdet oder verfolgt werden – und helfen immer wieder Verantwortung füreinander zu übernehmen.“ Seine vollständige Ansprache finden sie im Downloadbereich.
Ort des Stolpersteins: Hauptstraße 26, Grabe – vor dem heutigen Kindergarten.
Teilnehmende
Groß war die Beteiligung an dieser Verlegung in Grabe – es sprachen Christiane Kretschmer, Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns, Ortsteilbürgermeister Karsten Lutze, Pfarrer Marcus Ebert und Friedemann Kannengießer.
Anwesend waren viele Gäste aus Kirche, Verwaltung, Schule und Bürgerschaft, darunter:
- Ann-Kristin Zabel-Fröhlich, zweite Beigeordnete der Stadt,
- Dr. Antje Schloms, Leiterin des Stadtarchivs,
- Dr. Helge Wittmann, Fachbereichsleiter,
- Peter Bühner, Geschichts- und Denkmalsverein
- Christian Beuchel, Superintendent
- Andreas Piontek, Superintendent i.R.,
- Pfarrer Matthias Reißland
- Dr. Lukas Hennecke, kath. Pfarrer Mühlhausen
- Schulpfarrerin Claudia Faust mit einer Schülergruppe, die Teils ihre Seminarfacharbeit zum Thema schreibt und sich auch aktiv in die Fürbitten einbrachte
- Elisabeth Dauphin, Jugendkirche Mühlhausen
- KMD Oliver Stechbart
- Dr. Bernhard Voget, Stiftungsvorstand Kloster Volkenroda
- Musik: Frau Nötzold und Gabriel (Schüler im Ev. Schulzentrum)
Hintergrund: Seit 2010 erinnert die Stadt Mühlhausen mit Stolpersteinen an Opfer des Holocaust. Alle bisher verlegten Steine wurden durch Spenden aus der Bürgerschaft finanziert. Das europaweite Kunstprojekt des Künstlers Gunter Demnig umfasst inzwischen über 107.000 Stolpersteine. In Grabe wurde der Stein von Michael Rohrmann verlegt.
Die Stadt Mühlhausen und der Christlich-Jüdische Arbeitskreis im Kirchenkreis Mühlhausen organisierten die Verlegung. Seit 2010 wurden in Mühlhausen 77 Stolpersteine verlegt – ausschließlich finanziert durch Spenden aus der Bürgerschaft. Europaweit erinnern über 107.000 Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus.
Mehr zu Pastor Friedrich Zippel finden Sie hier

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- Predigt 01.10.2026 Superintendent Christian Beuchel in Grabe - (02.10.2026 / 64 KB)
- Ansprache von Pfarrer Marcus Ebert anlässlich der Verlegung des Stolpersteins für Pfarrer Friedrich Zippel - (02.10.2026 / 233 KB)