30.11.2025
Andacht zum.1. Advent

Von Vikarin Jeannette Milkau 

Jedes Jahr neu und doch ein Leben lang beständig für die Liebe Gottes empfänglich bleiben.

 

Heute ist der Erste Advent.
Die erste Kerze brennt – bei mir noch nicht.

Es ist geschmückt – bei mir noch nicht.

Stille und Besinnlichkeit durchziehen mein Herz- bei mir noch nicht.

 

Dabei sehne ich mich danach.

auch wenn der Erste Advent immer ganz plötzlich kommt.

Dabei sehne ich mich danach,

den Adventsschmuck auszupacken, an die gewohnten Plätze zu stellen.

Dabei sehne ich mich danach,

dieses besondere Gefühl nach wohltuender Nähe und umfänglicher Sicherheit in mir aufsteigen lassen.

 So wie in frühen Kindertagen.

Die Großmutter hantiert früh morgens in der kalten Küche.

Ich aber darf noch im warmen Bett liegen bleiben.

Aus der Küche dudelt das Radio zu mir herüber,

die Kaffeemaschine brummelt und

der würzig-bittere Duft des Kaffees mischt sich

mit dem Duft von süßem Kakao und aufgebackenen Brötchen.

„Du kannst kommen!“ ruft sie und stellt mir den heißen Kakao hin.

 

Heute, am Ersten Advent, steht kein Kaffee auf meinem Tisch.

Kein Kakao dampft.

Der Adventsschmuck ruht eingepackt auf dem Dachboden.

 

Die erste Kerze brennt – noch nicht!

Aber dafür steigt heute die Sehnsucht

nach dieser nährenden Liebe und der tiefen Verbundenheit

in mir auf – wie jedes Jahr um dieselbe Zeit.

Ich spüre es ganz deutlich.

Endlich!

Darauf habe ich gewartet!

 

In der Adventszeit wird mein Herz dünnhäutiger,

meine Seele durchlässiger für das Pochen

der beständigen Sehnsucht nach der Liebe,

die Gott

in jeden von uns

aus seinem eigenen tiefsten Herzen,

hineingelegt hat.

 

Auf dieses Pochen, Sehnen, Erinnern – darauf warte ich.

Es ist angekommen.

Eingetroffen.

Wie Erwartet.

 

Und ich erinnere mich plötzlich wieder,

Wo meine Sehnsucht gestillt wird,

wo ich heil werde,

wo ich eins-werde,

mit der Liebe von dem, der mich zuerst geliebt hat.

 

Noch vier Kerzen weit ist dieser Moment entfernt.

Dann werde ich an seiner Krippe stehen.

Anbetend,

verschenkend,

empfangend.

 

Die erste Kerze brennt – nun doch!

 

Vikarin Milkau, Pfarrbereich Kirchheilingen, 1. Advent 2025