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28.04.2017 (TA-MHL) Als sich Brot und Wein nicht mehr in Leib und Blut verwandelten

Artikel aus der TA-MHL vom 28.04.2017

 

REFORMATIONSFUNDSTÜCKE (TEIL 2) Wie der Hochaltar von Divi Blasii vom vorreformatorischen Marienaltar zum Abendmahlsaltar wurde

Von Johannes Zähle

Mühlhausen.

Ein interessantes Stück Reformationsgeschichte Mühlhausens zeigt der Hochaltar der Divi-Blasii-Kirche. Der Aufsatz mit den Flügeln ist vorreformatorisch und stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Die innere Festtagsseite zeigt Szenen aus dem Leben Jesu und Marias als geschnitzte Reliefs. Auf der Passionsseite, die nur bei geschlossenem Altar während der Fastenzeit zu sehen ist, sind gemalte Bilder der Apostel und von Heiligen zu sehen. Die vorreformatorisch geprägten Altarwerke entsprachen der nachreformatorischen Lehre allerdings nicht mehr in vollem Umfang. Auf der Feiertagsseite etwa sind Szenen zu sehen, die nicht durch die Bibel begründbar sind, wie die Krönung Marias, die nur legendenhaft überliefert ist. Reformation hingegen bedeutete auch Rückbesinnung auf die Heilige Schrift.

Glücklicherweise überstand der Altar den Bildersturm in Mühlhausen, er wurde jedoch später im Sinne der reformatorischen Lehre umgedeutet.

In den Jahren 1612/14 entstand der Überbau, ein hölzerner Baldachin, und die Flügel wurden neu eingefasst. Das hatte zum einen akustische Gründe: Für den evangelischen Gottesdienst ist die mitfeiernde Gemeinde, anders als in katholischen Messen, entscheidend.

Der Baldachin als Lautsprecher des Priesters

Insofern war es den Erbauern wichtig, den Pfarrer vom Altar aus zu verstehen, was der Baldachin baulich begünstigt. Durch die neue Einfassung der Flügel wurde zudem der Marienaltar zum Abendmahlsaltar umgedeutet, wovon die ober- und unterhalb angebrachten Bibelsprüche zeugen:

"Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll" (Jesaja 6, 3)

"Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ists, so sind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brots teilhaftig sind. Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi?" (1. Korinther 10, 16-17)

So steht im Altar nicht mehr die Marienverehrung im Vordergrund, sondern sie ist nur noch ein Anschauungsbeispiel des annehmenden Glaubens, wie er im Abendmahl erscheint. Wie Maria bedingungslos die Schwangerschaft mit dem Jesuskind annahm, geschieht im evangelischen Abendmahl eine Vereinigung des Glaubenden mit dem Heiligen Geist.

Vom Abendmahlsaltar zeugen auch die Kniebänke an den Seiten, an denen Brot und Wein kniend empfangen wurden. Ein weiteres Charakteristikum der inhaltlichen Neuausrichtung sind die vier Evangelisten im Dachfirst des Baldachins. Sie verkörpern Gottes Wort, das in protestantischer Tradition dem Abendmahl gleichwertig ist.

Davon zeugen auch die aufgeschlagenen Bibeln auf den Altären evangelischer Kirchen. Dieses Nebeneinander von Wort und Sakrament zeigt sich weiterhin in der hohen Bedeutung der Predigt im evangelischen Gottesdienst. In Divi Blasii liegt auf dem Hochaltar die revidierte Lutherbibel von 2017, ein Geschenk der Landeskirche. Daneben stehen frische Schnittblumen, Topfpflanzen haben hier nichts zu suchen.

Beides zeugt vom Spannungsfeld zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit: "Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich" (Jesaja 40, 8). Zum Altar gehörig ist das Abendmahlsgerät, der Kelch. Die Divi-Blasii-Gemeinde verfügt über Beispiele aus beiden Epochen.

Kelche und Kannen von Mühlhäuser Goldschmied

Typisch für die evangelische Tradition ist die Feier des Abendmahls in beiderlei Gestalt. Das bedeutet, dass die Gläubigen Brot und den Wein erhalten, während der Wein in der katholischen Messe nur vom Priester getrunken wird.

Deshalb sind evangelische Abendmahlskelche größer als katholische und es gibt Weinkannen, aus denen während der Austeilung Wein nachgefüllt werden kann. Da nach evangelischem Verständnis Brot und Wein während des Abendmahles nicht zu Leib und Blut Christi verwandeln, wurde die Nutzung von Weinkannen und Hostiendosen möglich. Nach katholischer Lehre hingegen haben sich Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt. Die geweihten Hostien dürfen im Anschluss nicht mit den ungeweihten vermischt werden.

Sie wurden stattdessen in speziellen Nischen des Altarraums aufbewahrt, die auf dem Altar-Foto unten rechts in der Wand zu sehen sind.

Die Kelche auf den Bildern zeigen einen vorreformatorischen Kelch und einen nachreformatorischen. Der nachreformatorische Kelch stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde in der Werkstatt des Mühlhäuser Goldschmieds Heinrich Schweinburg geschaffen. Dazu gehören noch eine Hostiendose und eine Weinkanne.

Johannes Zähle ist Vorsitzender des Gemeindebeirates der Divi-Blasii-Kirche


Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Donnerstag, 29. Juni 2017:
Losungstext:
Ich bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Psalm 69,14
Lehrtext:
Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.
Jakobus 5,13
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